Handelsmonitor 2021: Innenstadt leidet besonders unter Lockdown

"Die Stadt Osnabrück verzeichnet im Einzelhandel für die Jahre 2020 und 2021 einen Umsatzverlust von insgesamt rund 170 Millionen Euro. Davon entfallen 140 Millionen allein auf die erweiterte Innenstadt (Postleitzahlgebiet 49074). Der Grund: Gerade die Innenstadt war mit ihren Sortimentsschwerpunkten Bekleidung sowie Schuhe und Lederwaren von den Corona-Einschränkungen besonders betroffen. Der Umsatzrückgang für die Gesamtstadt betrug 2020 etwa elf Prozent gegenüber 2019." Mit dieser wenig erfreulichen Nachricht fasst Anke Schweda, IHK-Geschäftsbereichsleiterin Standortentwicklung, die IHK-Kennzahlenanalyse zum achten Handelsmonitor Osnabrück zusammen.

"Corona hat dazu geführt, dass die Menschen bevorzugt an ihren Wohnorten in den Grundzentren eingekauft haben. Darunter hat das Oberzentrum Osnabrück ebenso gelitten wie die Mittelzentren. Die Einschränkungen in der Gastronomie seit November und im Handel seit Dezember, die Masken- und Testpflicht sowie weitere Corona-Restriktionen haben die Attraktivität der Osnabrücker Innenstadt erheblich beeinträchtigt", berichtet Schweda weiter. Das "Ökosystem Innenstadt" sei damit aus dem Gleichgewicht geraten. Positiv stimme sie, dass mit den Lockerungen das Leben inzwischen wieder in die Stadt zurückgekehrt sei: "Das Ziel muss sein, die Kunden wieder für die Innenstadt zu gewinnen und ihre Umsätze in den stationären Einzelhandel zu lenken. Dafür brauchen wir das Miteinander aller Akteure aus Handel, Gastronomie, Dienstleistung, Kultur, Immobilienwirtschaft, Verwaltung und Politik." Besonders wichtig für die Zukunft der Osnabrücker Innenstadt sei außerdem die verkehrliche Erreichbarkeit für die Kunden von außerhalb.

"Die unterschiedlichen Lockdown-Phasen spiegeln sich auch in den Ergebnissen des Passantenmonitors wider. Hier sind die Zahlen um etwa 75 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Über das Gesamtjahr 2020 ist ein Passantenrückgang um durchschnittlich 28 % zu verzeichnen", resümiert Alexander Illenseer, Geschäftsführer der Marketing Osnabrück GmbH (mO.), die wesentlichen Ergebnisse der Passantenfrequenzmessung. Neben dem Lockdown in Handel und Gastronomie sei dies auch auf den Wechsel zum Home-Schooling und in das Home-Office zurückzuführen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. Dabei setzen wir nicht nur auf die 200.000 Euro, die der Rat der Stadt Osnabrück hierfür zu Verfügung gestellt hat. Wir wollen auch das jüngst vorgestellte Förderinstrument 'Sofortprogramm Perspektive Innenstadt' des Landes Niedersachsen nutzen und besonders notleidende Quartiere wie die Johannisstraße neu aufstellen", betont Illenseer.

"Die Corona-Pandemie hat sich als Katalysator für den Veränderungsprozess in der Handelslandschaft und somit auch für die Innenstädte erwiesen. Wir sind gut beraten, wenn wir frühzeitig gegensteuern und die Multifunktionalität unserer Innenstadt zukunftsfähig weiterentwickeln. Der Einzelhandel wird dabei seine wesentliche Rolle behalten. Der Veränderungsprozess bietet allerdings die Chance, zentrale Lagen in ihrer Nutzungsvielfalt noch breiter als bisher aufzustellen", unterstreicht Ira Klusmann, Vorsitzende des Osnabrücker City Marketing e.V. (OCM), die gegenwärtigen Herausforderungen.

Der Handelsmonitor 2021 wurde gemeinsam von der Marketing Osnabrück GmbH (mO.), dem Osnabrücker City Marketing e.V. und der IHK erarbeitet. Neben der Kennzahlenanalyse und den Frequenzmessungen umfasst die umfangreiche Dokumentation auch eine Vollerhebung der Erdgeschossnutzungen von 13 Innenstadtquartieren und fünf Ausfallstraßen sowie eine CIMA-Leerstandsanalyse.